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Remstalgartenschau 2019

- mehr als 500 Besucher beim Dialog mit den Kritikern im Rahmen der Einwohnerversammlung in der Auerbachhalle

Sehr gefreut haben sich die Verantwortlichen bei der Gemeindeverwaltung über die große Resonanz auf die Einladung zur Einwohnerversammlung am vergangenen Donnerstag in der Auerbachhalle. Die ca. 450 Stühle, mit der der Schrödersaal und die Empore zunächst bestuhlt waren, reichten bei weitem nicht aus, um allen Interessierten einen Sitzplatz zu ermöglichen. Selbst nach der Bereitstellung weiterer Stühle mussten Besucherinnen und Besucher stehend, teilweise sogar aus Foyer heraus, die Veranstaltung verfolgen.

Die voll besetzte Auerbachhalle war ein Fingerzeit, wie sehr das Thema Remstal Gartenschau in Urbach inzwischen in der Einwohnerschaft angekommen ist.

Die Regularien des Abends waren zuvor zwischen den Vertretern der Gemeinde, die ihre Vorhaben zur Remstal Gartenschau 2019 in Urbach nochmals vorstellen und erläuterten, sowie den Kritikern dieser Vorhaben, die ihre Alternativvorschläge nannten, genauestens festgelegt worden. Gleich dem Duell der Kanzler-Kandidaten im Fernsehen wurden die Redezeiten minutiös festgelegt, so dass der neutrale Zuschauer bzw. -hörer nicht von einer Seite mehr Input bekam, als von der anderen.
 
Darüber, dass diese Regularien und auch weitere zuvor fest gelegte Spielregeln eingehalten werden, sorgte die für diesen Abend engagierte Moderatorin und Mediatorin Ute Kinn aus Eppingen. Sie tat das, um es gleich vorweg zu nehmen, mit Bravour. Rednern, die über die vereinbarte Redezeit hinaus, sprechen wollten, zeigte sie, ohne Ansehen der Person, rigoros zunächst die „blaue“ und dann die „rote“ Karte. Auch sorgte sie mit einer disziplinierenden und durchaus forschen Art und Weise, dass sie nicht gewillt war, sich bei der Gesprächsführung und Moderation der Veranstaltung „die Butter vom Brot“ nehmen zu lassen. Angesichts der emotionalen Stimmung im Saal war dies keine ganz leichte Aufgabe.

Ute Kinn, Moderatorin und Mediatorin aus Eppingen, hatte die nicht ganz leicht Aufgabe, aufkommende Emotionen in der Halle im Zaum zu halten und für einen gerechten Ablauf der Informationsveranstaltung zu sorgen.

Bürgermeister Jörg Hetzinger begrüßte die Gäste und ging zunächst auf die in den zurückliegenden Jahren durchgeführten Infoveranstaltungen ein und wies dabei auch auf die öffentlichen Gemeinderatssitzungen und Beschlüsse hin, die alle schon zu den Projekten für die Gartenschau gefasst worden sind. Im Frühjahr dieses Jahres habe man bei der letzten Einwohnerversammlung, bei der ca. 180 Besucher da waren und nur von 4 Mitbürgern Kritik geäußert wurde, ein positives Stimmungsbild der Bürgerschaft erhalten. Anschließend nannte er die Gesamtkosten für die Projekte mit 1,9 Mio. Euro (für die Gartenschauprojekte gibt es Zuschüsse über ca. 400 000 Euro, die von den Kosten abzuziehen sind, außerdem sind darin Kosten für Unvorhergesehenes, Bürgerprojekte über 100 000 Euro und Pflanzmaßnahmen(Grünprojekte) für die Zeit der Gartenschau, die noch geplant werden müssen, eingerechnet).
 
Bürgermeister Hetzinger nannte anschließend noch die Vorteile einer Teilnahme Urbachs an der Gartenschau und stellte fest, man habe sich ganz bewusst für das Gebiet beim Bergrutsch entschieden, um sich nicht zu verzetteln, sondern den Urbachern und den Gästen etwas Besonderes zu bieten. Das Waldhaus bilde den Leuchtturm dieser Projekte neben dem geplanten Turm. Letzteren bezeichnete der Bürgermeister als innovatives Landschaftskunstbauwerk, das den Gemeinderat und ihn begeistern würde. Waldpädagogik sei ein Wegbereiter für die Nachhaltigkeit. Und Nachhaltigkeit sei bei allen Schularten im Bildungsplan als wichtiges Lernziel verankert. Die geplanten Projekte für die Gartenschau würden für Urbach einen Standortvorteil mit sich bringen und somit den Urbacher Unternehmen die Suche nach Fachkräften und Ingenieuren erleichtern. Zudem könne das Wir-Gefühl und der Gemeinsinn gestärkt werden. Auch auf den sinnvollen umweltpolitischen Aspekt der Naherholung wies der Bürgermeister hin, indem er feststellte, es sei doch besser, wenn Urbacher und Menschen aus dem Remstal sich hier vor Ort im Landschaftspark Schwäbischer Wald erholen, anstelle lange Anfahrtswege mit dem Auto auf die Schwäbische Alb oder den Schwarzwald auf sich zu nehmen. Dies schone die Umwelt.
 
Der Bürgermeister teilte mit, dass man seitens der Gemeindeverwaltung und des Gemeinderats von der ursprünglichen Planung des Waldhauses abrücken wolle, um so Kosten einzusparen, die inzwischen auch Kritiker im Gemeinderat dazu bewegt hat, sich gegen das Waldhaus in der von der Hochschule für Technik entwickelten Form auszusprechen. Der Bürgermeister setzte dabei ein Kostenlimit von 400.000 € und bemerkte, dass auch die Folgekosten durch eine Verkleinerung des Gebäudes und eine günstigere Bauweise gesenkt werden könnten. Diese umfassten zum großen Teil auch Verzinsungs- und Abschreibungsposten, die gar nicht kassenwirksam würden.
 
Im Anschluss an die Ausführungen des Bürgermeisters hielt die Sprecherin des Arbeitskreises „Waldhaus“, Gemeinderätin Monika Bruckmann, ein flammendes Plädoyer für das Waldhaus und seine vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten. So sollen z. B. Projekttage wie Werken mit Holz, Vogelführungen, Botanikkuse, Angebote für Bodenkunde, Wald und Klima, Pilzsammlerkurse, Insektenforschung, Imkerschulungen und weiteres mehr stattfinden oder die Entspannung in gesunder Luft gepflegt werden. Firmenfeiern mit naturpädagogischem Inhalt oder Naturkindergeburtstage oder einfach mal die Kirche im Dorf lassen und ein gutes Programm im Wald bieten waren weitere konkrete Vorschläge. Dafür, so stellte sie fest, soll das Waldhaus der passende Ort sein, ein Platz, der Veranstaltungen bei jedem Wetter und damit auch zuverlässige Planungen möglich macht und auch ein breites Feld von Bedürfnissen der unterschiedlichsten Gruppen zulasse. Entscheidender Aspekt für das Waldhaus sei doch, dass neben der Betätigung im Wald auch ein beheizbarer Raum vorhanden ist, wenn es draußen kalt ist und um einfach mal auf´s Klo zu können und einen warmen Tee zu trinken, und um ausreichend Stauraum für Arbeitsmaterialien zu haben und einen großen überdachten Bereich im Freien vor dem Haus zum Sitzen und Arbeiten. Das alles sei mit einer Waldbox nicht leistbar.
 
Das Waldhaus könne, so Monika Bruckmann, von allen Urbachern genützt werden, von altgewordenen und rüstigen Rentnern, Gestressten und Berufstätigen, Familien, Menschen mit Behinderungen, Menschen, die den Wald kennen und solche, die den Bezug zur Natur noch nicht haben und vor allem von unseren Kindern. Gleichzeitig zeigte auch sie auf, wie hoch das Thema Wald- und Naturpädagogik in der heutigen Gesellschaft und der Bildungspolitik angesiedelt ist.

Ein positves und sehr motivierendes Plädoyer zum geplanten Waldhaus und seinem waldpädgogischen Konzept hielt die Sprecherin der RGS-Arbeitsgruppe „Waldhaus“, Gemeinderätin Monika Bruckmann

Bürgermeister Thorsten Englert, Finanzbürgermeister der Stadt Schorndorf und Geschäftsführer der Gartenschau GmbH, stellte im Anschluss daran nochmals die Einzigartigkeit der Remstal Gartenschau 2019 heraus. Hier kooperierten 16 Kommunen und entwickelten so ein starkes „Wir-Gefühl“ für das ganze Remstal. Auch er betonte den positiven „weichen Standortfaktor“ für die Ansiedlung von jungen Familien aber auch innovativen Wirtschaftsunternehmen in unserer Region.
Als eine wichtige Gemeinschaftsaktion strich er dabei auch die „16 Stationen“ heraus, die von den renommiertesten Architekturbüros in Deutschland für die an der Gartenschau beteiligten Gemeinden geplant wurden.
 
Einer der beiden für Urbach tätigen Planer, Professor Jan Knippers, erläuterte dem Publikum den Sinn des Turmes, der am Aussichtspunkt Gänsberg entstehen soll. Er soll von weitem gesehen werden und der Standort ermöglicht zugleich auch eine einzigartige Sicht auf Urbach. Auch die Lage am Hauptwanderweg des Schwäbischen Albvereins, zugleich auch der Remstalhöhenweg, ist dafür prädestiniert. Der Blickwinkel und damit die Aussicht aus dem Turm aufs Remstal wird keinesfalls eingeschränkt, bei Regen bietet er zudem überdachte Sitzplätze (Anmerkung der Gemeindeverwaltung: Die bisher dort befindliche Bank soll künftig neben dem Turms aufgestellt werden, so dass sich von dort nach wie vor auch ein ungestörter Blick zum Himmel eröffnet).
 
Prof. Knippers wies auf die innovative Bau- und Verfahrenstechnik hin, mit der der Turm entstehen soll, die gerade typisch für das „Land der Denker und Erfinder“ im Schwäbischen sei. Sowohl Knippers, als auch Englert waren sich einig, dass die „16 Stationen“ in Fachkreisen bundesweit Beachtung finden werden.
 
Ebenfalls vorgestellt wurden von ihren Planern in kurzen Worten der neue Walderlebnis Pfad zwischen Hag-Parkplatz und Bärenbachtal, der in einem links des Weges zwischen Hag-Parkplatz und Niederfeldtraufweg vorgesehene Spiel- und Grillplatz sowie eine Mountainbike-Strecke mit so genanntem Flow-Trail und auch die geplanten Verbesserungen und Aussichtsplattformen im Zuge des Verlaufs des Bergrutsch-Rundwegs wie auch die Ausschilderung eines bestehenden alten Wiesen-Fußpfads vom Freibad zum Bergrutschrundweg. Dabei blieb den jeweiligen Referenten, Landschaftsplaner Wolfgang Blank, Waldpädagoge Wolfang Naak vom Gmünder Büro Arbor und Rajko Rost vom DAV, Sektion Schorndorf wenig Zeit, um tief ins Detail zu gehen.
 
Nach all‘ diesen Informationen über die Vorhaben der Gemeinde zur Remstal Gartenschau 2019 in Urbach bekamen die Kritiker dieser Projekte genau das selbe Zeitbudget, um ihre Argumente gegen die Planungen der Gemeinde vorzutragen.
 
Zu Beginn wies deren Sprecher, Rudolf Wrobel, darauf hin, dass die AGU, wie sich die Gruppierung der Gartenschau-Kritiker nennt (Alternative Gartenschau Urbach), dass, wie der Name schon aussage, man sich der Gartenschau nicht grundsätzlich verschließe. Allerdings sei man, insbesondere aus Natur- und Artenschutzgründen einerseits, andererseits aber auch wegen der hohen Kosten von rd. 1,9 Mio €, die die Gemeinde für die Gartenschau investieren wolle, nahezu gänzlich gegen die zuvor vorgestellten Vorhaben der Gemeinde. Insbesondere das Waldhaus und der Turm von den „16 Stationen“ seien für die Kritiker ein absolutes „NoGo“.

Rudolf Wrobel, einer der Sprecher der Gartenschaukritiker von der AGU, erläuterte der Zuhörerschaft u.a. die von der AGU entwickelten Alternativen zur Gartenschau in Urbach.

Weitere Sprecher der Gruppierung AGU in Person von Rolf Grass, Eberhard Schlotz und Rolf Bertsche untermauerten mit ihren Aussagen die Stoßrichtung der Gartenschaukritiker. Dabei wurden allerdings auch objektiv falsche Daten und Fakten genannt, wie z.B. die Größe der für das Waldhaus zu rodenden Waldfläche, das Investitionsvolumen, das die Stadt Schorndorf für die Remstal Gartenschau im Vergleich zu Urbach auszugeben gedenkt oder schlicht auch der Stand der Pro-Kopf-Verschuldung der Gemeinde Urbach.
 
Die Vorschläge der Gartenschau-Kritiker, was man alternativ zu den Projekten der Gemeinde bei der Remstal Gartenschau in Urbach den Gästen anbieten könnte, sind folgende: Anlegung eines Gemeinschaftsgartens im Ort, wo alle Bürgerinnen und Bürger, Vereine, Kirchen und Organisationen zum gemeinsamen Gärtner zusammenkommen könnten, Renovierung und „Aufhübschung“ des bestehenden „Wald-Erlebnis-Lehrpfades“ zwischen Bärenbach und Hag sowie des Naturlehrpfades entlang der Rems (Anmerkung der Gemeindeverwaltung: wurde einstens vom Landkreis angelegt und auch unterhalten), Bau eines Flowtrails bzw. einer Montainbike-Strecke am Schurwaldhang auf bisher schon illegal genutzten Trassen, Anpflanzung eines Auenwaldes an der Rems (Anmerkung der Gemeindeverwaltung: wurde im Frühstadium der Planungen für die Gartenschau schon einmal angedacht und vom Landratsamt abgelehnt), Lehrpfad zum Hochwasserschutz entlang der Rems (Anmerkung: wurde von der Gemeindeverwaltung ebenfalls schon eingeplant), Bau eines Wasserspielplatzes an der Rems und Erwerb eines Waldmobils.
 
Im Anschluss an die Ausführungen der beiden Parteien läutete die Moderatorin eine Pause ein, nicht ohne darauf hinzuweisen, dass die Zuhörerinnen und Zuhörer nun die Gelegenheit hätten, Ihre Fragen und Kommentare auf zuvor bereit gelegte Zettel zu notieren. Dies wurden dann im Laufe der Pause eingesammelt und nach verschiedenen Themen sortiert.
 
Deutlich wurde, dass der Stapel mit den kritischen Fragen und Bemerkungen zum Waldhaus und dem Turm am Gänsberg eine höhere Anzahl von Zetteln aufwies, als der der Befürworter. Die Moderatorin bemerkte dies wertungsfrei, griff einige der Zettel aus dem Stapel heraus und ließ die gestellten Fragen und Behauptungen aus berufenem Munde beantworten bzw. kommentieren. Auch die Kritiker konnten aus dem Stapel mit Fragen eine Auswahl treffen und um deren Beantwortung bitten.
 
Im Verlauf dieser Interviews warnte der Geschäftsführer der Remstal Gartenschau 2019, Thorsten Englert, vor einem Abweichen bzw. einer starken Reduzierung der bisherigen Planungen in Urbach. Eine Reduzierung auf das, was die Gartenschaukritiker angesprochen hätten, würde einen erheblichen Attraktivitätsverlust für Urbach bedeuten.
 
Moderatorin Ute Kinn schlug vor, alle eingegangenen Fragen und Kommentare zu sichten, einzuordnen und sie dem Gemeinderat für dessen weitere Entscheidungsfindung vorzulegen.
 
Bürgermeister Jörg Hetzinger machte jedoch in seinem sehr emotionalen Schlussplädoyer deutlich, dass er die Einwohnerschaft im Zusammenhang mit den umstrittenen Themen für die Remstalgartenschau nicht spalten möchte. Der Gemeinderat müsse nochmals beraten und entscheiden. Trotz allem hoffe er auf eine gütliche Einigung mit den Kritikern. Denn wer denn sonst, wie unsere Kinder und Kindeskinder könnten in Zukunft die Streuobstwiesen pflegen. Dies gelinge nur, wenn die Kinder durch die Waldpädagogik und mit einem Waldhaus den Wert unserer Natur begreifen.

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